MOMLIFE | Hormonfreie Verhütung

Vor zwei Wochen habe ich eine für mich sehr spannende Frage geklärt, nämlich jene, ob es eine Verhütung für mich gibt, die hormonfrei ist und bei der ich mir keinen Fremdkörper einsetzen lassen muss. Eine Antwort darauf zu finden war gar nicht so leicht, denn mehr als 2/3 aller Verhütungsmittel enthalten eine ganz schön hohe Hormondosis. Nachdem ich ungefähr die Hälfte meines Lebens mit der Pille verhütet habe, ist für mich aber nun Schluss mit Hormonen, weil ich mich damit einfach nicht mehr wohlfühle. Und mit dieser Entscheidung bin ich anscheinend nicht alleine.

Nach zwei Kindern und zwei sehr schönen Schwangerschaften, die ich jeweils mit einer natürlichen Entbindung abschließen durfte, kenne ich meinen Körper recht gut. Anders als in meinen Zwanzigern, habe ich nun das Bedürfnis, mich nicht ständig mit Hormonen vollzupumpen, nur um die Kontrolle über meine Empfängnisverhütung zu haben. Das liegt einfach daran, dass ich mich jetzt ohne Pille richtig wohl in meiner Haut fühle. Ich habe keine Probleme mit meinen Haaren oder Unreinheiten und muss mich auch nicht mit Stimmungsschwankungen herumplagen. Ja, ich würde sogar sagen, ohne Hormonpräparate einzunehmen schlafe ich viel besser, gehe mit Stress ausgeglichener um und habe eine innigere Beziehung zu meinem Körper.

Der Auslöser für meine Entscheidung, hormonfrei verhüten zu wollen, war sicherlich jener, dass ich bereits nach der Schwangerschaft bzw. der Stillzeit von meinem ersten Sohn Maximilian ganz plötzlich Probleme mit der Pille hatte. Trotz Zwischenblutungen gab ich der neuen Pille eine Chance und nahm diese ein halbes Jahr ein, ehe sich mein Mann und ich für ein zweites Kind und damit unser Baby Alexander entschieden haben. Bereits in meiner zweiten Schwangerschaft habe ich dann mit meinem Mann darüber gesprochen, dass ich nur noch bis zu meinem 35. Geburtstag Hormone schlucken möchte und wir uns dann eine Lösung einfallen lassen müssten, wie wir dauerhaft verhüten, zum Beispiel mittels Sterilisation, denn irgendwie wurde mir bereits vor zwei Jahren die hormonelle Verhütung unsympathisch.

Bei einer hormonfreien Verhütung werden die üblichen hormonellen Verhütungsmittel, zum Beispiel Pille, Dreimonatsspritze, Vaginalring, Hormonimplantat oder Verhütungspflaster, nicht verwendet. Stattdessen gibt es unter anderem die Möglichkeit, sich eine Kupfer- oder Goldspirale, die keine Hormone abgibt, setzen zu lassen. Für mich ist diese Methode aber nichts, da ich mir – wie bereits anfangs erwähnt – auf lange Zeit keinen Fremdkörper in meine Gebärmutter einsetzen lassen möchte. Durch das Ausgrenzen der eben genannten Verhütungsmittel bleibt nur noch eine mechanische Verhütung, zum Beispiel mittels Kondom, oder ein natürliches Verhütungsmittel, zum Beispiel der Verhütungscomputer, übrig. Eine operative Lösung würden wir erst in ein paar Jahren in Betracht ziehen.

Mein Mann und ich haben uns dahingehend für eine Kombination aus natürlicher Verhütung mittels Daysy, einem Zykluscomputer, der oral angewendet werden kann, entschieden. Sich bewusst gegen Hormone und für ein natürliches Verhütungsmittel zu entscheiden ist bestimmt nicht einfach und einige Frauen als auch Fachärzte stehen dem kritisch gegenüber. Dennoch: Für mich und viele andere Frauen in meinem Alter, die bereits Kinder auf die Welt gebracht haben, ist ein Zykluscomputer eine annehmbare und optimale Lösung.

Vor einigen Wochen habe ich meine Leserinnen gefragt, wie diese denn verhüten und war ehrlich ein bisschen erstaunt darüber, wie viele Frauen sich, nach dem sie Kinder zur Welt gebracht haben, gegen hormonelle Verhütungsmittel entschieden haben. Beim Durchlesen der Kommentare ist mir auch aufgefallen, dass viele Frauen mit dem Gedanken spielen, ohne Hormone verhüten zu wollen, diesen Schritt aber nicht wagen oder sich nicht trauen. Manche Leserinnen haben mir sogar geschrieben, dass deren Frauenärzte ihnen von natürlichen Verhütungsmitteln abgeraten und viel lieber ganz traditionell die Pille verschrieben haben. An dieser Stelle bin ich wirklich froh, dass mein Frauenarzt der Verhütung mittels Zykluscomputer sehr offen gegenübersteht und mir nicht davon abgeraten, sondern mich sogar dazu ermutigt hat.

Wenn ich von natürlicher Verhütung spreche, dann meine ich damit keinen Coitus Interruptus und auch keine Kalendermethode, da diese doch als sehr unsicher gelten. Ich spreche stattdessen von einer Kombination aus Temperaturmethode mittels Verhütungscomputer sowie der Zervixschleimmethode (Billings-Methode), wodurch ich während meines Zyklus ein Zeitfenster erhalte, in dem ich gut und gerne ungeschützten Geschlechtsverkehr haben kann oder im Falle einer fruchtbaren Phase auf Kondome zurückgreifen muss. Beim Messen meiner Körpertemperatur und beim Bestimmen meines Eisprungs hilft mir Daysy, mein Zykluscomputer, den ich mir vor wenigen Tagen bestellt habe. Mit dem Fertilitätsmonitor messe ich jeden Morgen oral meine Basaltemperatur mit einem hochentwickelten Temperatursensor  (Genauigkeit: 1/100 Grad). Diese Messung übertrage ich mittels Kabel an mein Smartphone bzw. an die Daysy App, die wiederum analysiert, ob ich fruchtbar bin oder nicht. Diese Temperaturmethode ist – laut den Herstellern von Daysy – eine der sichersten der Welt und vom ersten Tag an zu 99,3% genau.

Fruchtbar oder nicht, das hängt vom Eisprung ab. Da die Eizelle einer Frau nur begrenzt (nämlich 12-18 Stunden) befruchtungsfähig ist und Spermien auch nur bis zu 5 Tage unter optimalen Bedingungen überleben können, ergibt sich ein relativ kleines Zeitfenster von wenigen Tagen im Monat, in denen eine Frau schwanger werden kann. Der Eisprung einer Frau lässt sich dabei durch einen Temperaturanstieg von 0,2°C-0,5°C erfolgreich messen. Die Basaltemperatur liegt dann höher als vor dem Eisprung und steigt dann kurz vor der nächsten Menstruation wieder an. Zusätzlich verändert sich die Konsistenz und das Aussehen des Zervixschleims vor dem Eisprung und ist damit ein deutlicher Hinweis auf eine bevorstehende Ovulation, sofern man sich damit über einen längeren Zeitraum auseinandersetzt und beobachtet. Bis zum möglichen Eisprung und danach befindet man sich in einer unfruchtbaren Phase, in der man ohne weitere Verhütungsmittel Sex haben kann, da die Eizelle nicht befruchtet werden kann.

Natürlich birgt diese Methode auch Nachteile, denn anders als bei hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille, kann man seine sexuelle Spontanität nicht ganz so fröhlich ausleben. Denn wer keinen Kinderwunsch hat, der kann eben nur in einem beschränkten Zeitfenster sicher ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Jedes Paar, das sich damit für einen Zykluscomputer entscheidet, sollte sich auch dem Risiko bewusst sein, dass mal etwas schiefgehen und eine ungeplante Schwangerschaft passieren kann. Aber ganz ehrlich, das ist auch oft bei hormonellen Verhütungsmitteln der Fall, wenn man diese nicht richtig anwendet. Und darüber hinaus ist man als Ehepaar mit zwei Kindern eh nicht mehr ganz so spontan wie zur kinderlosen Zeit und kann – da bin ich mir sicher – sich jene Tage, an denen man laut Verhütungscomputer ungeschützt Sex haben kann, gut ausnutzen und eben einfach ein bisschen vorausplanen.

Mein neuer Verhütungscomputer ermöglicht mir also eine natürlicher Verhütung und bestimmt nach einer ersten Lernphase von 2-3 Monaten, in der ich mich gerade befinde, exakt wann meine fruchtbaren Tage anstehen. Wenn Days mir grünes Licht gibt, bin ich nicht fruchtbar. Wenn sie mir hingegen rotes Licht anzeigt, dann bin ich fruchtbar und sollte ein Kondom verwenden. Gelbe Tage zeigen Zyklusschwankungen oder Daysy’s Lernphase an und um in dieser Zeit eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden, sollte ich wie auch an roten Tagen lieber ein Kondom benutzen. Meine Basalthemperatur, die ich morgens gleich nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen mit Daysy’s Thermometer oral unter der Zunge messe, übertrage ich – wie bereits erwähnt – mittels Kabel an meine Daysy App, die mir wiederum weitere Infos wie Tempetarugraph und vieles mehr bietet (weitere Infos sowie Videoanleitungen zu Days bekommt ihr hier).

Ein wichtiger Faktor bei der Verhütung mittels Zykluscomputers ist ein regelmäßiger Zyklus. Schwankungen sind aber völlig normal, denn Stress und Wohlbefinden wirken sich auf den Körper und damit auch auf den Menstruationszyklus aus. Da wir Frauen durch das Einnehmen der Pille aber immer denken, dass ein Zyklus genau 28 Tage dauern muss, trauen sich die wenigsten eine natürliche Verhütung zu, obwohl eigentlich eine Regelmäßigkeit vorliegt. Denn abseits der Pilleneinnahme sind die wenigsten Menstruationszyklen 28 Tage lang. Mein Frauenarzt hat mir dies bestätigt, denn eine Zykluslänge zwischen 23 und 35 Tagen ist völlig normal. Bei einer hormonfreien Verhütung ist also nicht die Dauer, sondern die Regelmäßigkeit wichtig, um den monatlichen Eisprung besser berechnen zu können.

Zugegeben, jetzt wo ich mit Daysy verhüte, bin ich schon ein bisschen nervös, da ich seit meinem 15. Lebensjahr (bis auf zwei Unterbrechungen – Kinderwunsch und Schwangerschaft) immer eine Pille als Verhütungsmittel verwendet habe. Eine hormonfreie Verhütung ist also komplettes Neuland für mich. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass diese Art der Verhütung klappen kann und weiß – im Gegensatz zu meinem jüngeren Ich – wie ich mit den Anzeichen meines Körpers umgehen muss. Und ganz ehrlich…im schlimmsten Fall wächst unsere Familie um ein weiteres Geschwisterchen, worauf wir es natürlich nicht anlegen, was aber kein Weltuntergang wäre, denn sonst dürfte ich diesen Schritt nicht wagen.

Ich freue mich auf dieses neue Kapitel in meinem Leben und bin gespannt, wie es in den kommenden Wochen und Monaten so läuft. Gerne gebe ich euch nächstes Jahr wieder ein Update zu diesem Thema.

Jetzt würde mich aber interessieren, wie das bei euch so ist? Überlegt ihr auch natürlich zu verhüten oder habt ihr damit schon Erfahrungen gemacht? Ist ein hormonfreies Verhüttungsmittel so gar nichts für euch und nutzt ihr lieber die altbewährten Methoden wie Pille, Spirale und Co.?

Alles Liebe,

 

 

3 Kommentare

  1. V.
    17. Mai 2017 / 12:02

    Liebe Sabrina!

    Vielen Dank für deinen seeeehr tollen und ausführlichen Beitrag zu einem Thema welches nahezu jede Frau beschäftigt.
    Ich bin zwar noch nie schwanger gewesen (mitte zwanzig), hab mich aber dennoch dazu entschieden auf hormonelle Verhütung zu verzichten. Ich glaube, dass einem der Körper das ganz gut mitteilt, wenn er mit der Pille – sagen wir – überfordert ist. Und so war es auch bei mir!
    Ich kann mich noch sehr gut an das verwirrte Gesicht meines Freundes erinnern, wo ich ihm mitgeteilt habe, dass ich (Achtung!) GESTERN die Pille abgsetzt habe. (Im Nachhinein würd ich diese Entscheidung eher mit ihm gemeinsam treffen, jedoch war ich mir zu diesem Zeitpunkt einfach sicher.) Ein Fremdkörper würde für mich auch nicht in Frage kommen daher musste ich erstmal recherchieren und nun werde ich deinen o.e. Computer testen.

    Was ich noch kurz erwähnen möchte: Ich habe die Pille letzten Oktober abgesetzt und hatte eine sehr schwere Zeit. Auf die üblichen Problemchen war ich vorbereitet (unschöne Haare, Pickel im ganzen Gesicht, usw.), aber was dann kam hat mich erstmal aus der Bahn geworfen. Unterleibskröpmfe plagten mich so arg (Krankenhausbesuche inkl.). Ärzte (ich war bei insgesamt 9) stellten mir die ärgsten Diagnosen, welche danach aber widerlegt wurden.
    Bis heute habe ich keine Diagnose, jedoch gehe ich auch nicht mehr zum Arzt. Ich habe immer mehr über meinen Körper dazu gelernt. Ich weiß nun mittlerweile genau in welchem Stadium meines Zykluses welche Schmerzen auf mich zu kommen. Frauenarzt habe ich leider noch keinen gefunden, da mir jeder die Pille erneut aufzwingen wollte.
    Meiner Meinung nach ist die Pille (mit Hormonspiralen oder sonstigem habe ich leider keine Erfahrungen) wirklich nichts Gutes und darüber hinaus wird diese viel zu leichtfertig verschrieben. Ich verstehe es, wenn junge Mädchen die Pille bekommen, das diese eine hohe Sicherheit benötigen, aber irgendwan sollte man seinen Körper von diesem „Gift“ erlösen.

    Lieben Gruß

    • Sabrina Sterntal
      17. Mai 2017 / 14:06

      Liebe V.,
      mit einem hast du absolut recht: Ohne Pille, sind die Bauchschmerzen bzw. Krämpfe beim Einsetzen der Menstruation leider sehr stark. Vor allem nach einer Schwangerschaft…da ist die Blutung meist auch etwas stärker. Man sieht also, dass Hormone den Schmerz irgendwo zügeln bzw. verringern…da sollte man sich auch fragen, wie stark die Dosis eigentlich ist, die man 21 Tage lang einnimmt, während man eigentlich nur 5-6 Tage aktiv verhüten müsste. Ein sehr schwieriges Thema und ich sehe es wie du: Die Pille wird sofort verschrieben und gilt nun mal als die einfachste Art der Verhütung, obwohl diese im Grunde genommen genauso viel Disziplin wie zB eine Temperaturmessung (NFP) am Morgen benötigt. Danke für deine lieben Kommentar. Ich hoffe, du findest für dich den richtigen Weg und der Zykluscomputer hilft dir weiter. Alles Gute auch für deine Unterleibskrämpfe und ich finde es toll, dass du so im Einklang mit deinem Körper bist. Das ist das allerwichtigste!

      Liebe Grüße,
      Sabrina

  2. Alexandra
    6. September 2017 / 22:18

    Liebe Sabrina,
    danke für deinen Beitrag!
    Ja, Gott sei Dank denken wir Frauen zunehmend um und lassen uns nicht mehr so einfach die Pille verschreiben!
    Ich selbst trage seit mehr als 3 Jahren das Kupferkettchen – ich verstehe gut, wenn du schreibst, du willst nichts einsetzen, frau spürt es beim Einsetzen – und bin seit Tag 2 sehr zufrieden damit! Ich denke, auch der Schmerz, der am Tag des Einsetzens empfunden wird, ist ein spürbares Zeichen. Viel spürbarer, als die Pille – die offensichtlich Stimmung und Lust beeinflussen kann, was frau oft erst zeitlich versetzt der Pille zuordnen kann.
    Und ich benutze – ebenfalls gewöhnungsbedürftig – die Lunette und somit keine Tampons mehr, die ja zB nicht über Nacht getragen werden sollen. Auch damit lernt frau ihren Körper besser kennen. Ich glaube, wenn – an anderer Stelle im Blog – über die Zusammensetzung des kindlichen Kakas gesprochen werden kann, kann auch über die Beschaffenheit von Menstruationsblut gesprochen werden :).
    Alles Liebe

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