MOMLIFE | Perfekt unperfekt – Hinter den Kulissen eines Mama-Blogs

Da sind sie, die perfekten Bilder, die einem vorgaukeln, dass der Haushalt immer pico bello ist, das Essen stets adrett am Teller angerichtet wird, die Mama immer ausgeschlafen und freudestrahlend in die Kamera lächelt und die Kinder anscheinend nie einen Tobsuchtsanfall haben. Ja, so sieht es oftmals aus auf den Mama-Blogs und Instagram-Accounts dieser Welt. Dass das aber freilich nicht immer so ist, liegt auf der Hand und deshalb möchte ich euch heute mal einen Blick hinter die Kulissen meines Blogs geben.

Ganz ehrlich, manchmal wundere ich mich über die Anfeindungen gegenüber (Mama-)Bloggern und die Anschuldigung, dass bei „uns“ immer alles so perfekt aussieht, weil das doch gar nicht der Realität entsprechen kann. Dann bin ich immer etwas verwundert über diverse Kommentare und rege mich ehrlich gesagt auch ein bisschen darüber auf.  Denn wer glaubt denn wirklich, dass nirgendwo mal Chaos herrscht, die Kinder nie schreien, das Essen nur bei einem selbst aber in keinem anderen Haushalt mehr als einmal am Tag am Boden landet oder nie ein Wäscheberg hinter der Ecke lauert, nur weil das alles nicht auf den Fotos der Blogger zu sehen ist? Das Frühstück wird meist auch erst dann fotografiert, wenn noch niemand am Tisch sitzt, weil nach spätestens 5 Minuten mit Familie am Tisch nur noch Chaos herrscht.

Realität vs. schöne Bildergalerie

Ich muss hier mal ganz klipp und klar sagen, dass jeder, der sich auf Instagram oder allgemein auch auf Blogs aufhält, ganz generell seinen gesunden Menschenverstand einschalten und niemals, aber auch wirklich niemals auf die perfekte heile Welt hereinfallen sollte. Wir wissen doch alle, dass nichts und niemand makellos ist. Ganz egal um welche Branche es sich handelt. Wir wissen, dass Models in echt nicht so aussehen wie am Cover eines Magazins, sondern das Herr Photoshop ordentlich mithilft. Warum sollen also Blogger nicht auch mit Bildbearbeitungsprogrammen nachbessern oder auf Instagram das Foto durch Filter ein wenig aufhübschen? Wir wissen auch, dass die Burger bei McD auf den Werbeanzeigen viel schöner, saftiger, frischer aussehen, als sie dann letztendlich in der Pappschachtel vor uns auf dem Tablett landen. Dass die Küche eines Food Bloggers oft drei Mal chaotischer aussieht als das in „normalen“ Großfamilie der Fall ist, sich Essenreste und Anschnitte überall türmen, das alles aber auf dem am Foto abgelichteten Teller nicht zu sehen ist, klingt ja irgendwo auch logisch, oder? Ist nämlich in Kochbüchern auch nicht anders.

Warum also glaubt jemand, dass eine schöne Bildergallerie auf Instagram, ein persönliches Fotoalbum für jeden Blogger, in dem man schöne Erinnerungen festhalten und teilen möchte oder einfach andere inspirieren mag, einem perfekten Leben entspricht? Perfekt ist schließlich überhaupt nichts und manchmal wird eben tatkräftig nachgeholfen. Fotos werden bereits am Dienstag geknipst und erst am Donnerstag veröffentlicht, weil das Licht grad einfach besser ist. Die Kinder lachen am Foto, die Mama strahlt und drei Sekunden später folgt ein Melt Down, bei dem man am liebsten schnell das Weite suchen würde. Oder es will einfach niemand in die Kamera gucken, weil Stillsitzen doof ist. Die Fashion Bloggerin lächelt bei strahlendem Wetter in einer kurzen Short, bei deren Anblick man Lust auf den Sommer bekommt, während sie eigentlich friert, weil die Temperaturen mehr dem Herbst entsprechen. Es gibt sie aber trotzdem immer wieder, die spontanen Schnappschüsse, die nicht gestellt und nicht gekünstelt sind. Echte Fotos mit echten Emotionen, über die man sich mit anderen freuen kann.

Spontane Schnappschüsse und inszenierte Fotos

Aber trotzdem…in einer Welt voll Selfies und Foodfotografie, wo Dekorationen und Wohnräume abgelichtet und in Szene gesetzt werden, ist eben auch nicht alles zu 100% echt und oftmals inszeniert. Ich trinke meinen Kaffee nicht immer mit der perfekten Milchschaumkrone, freue mich aber darüber, wenn ich ein Foto knipse, auf dem das Heißgetränk einfach verlockend aussieht. Bei dem der Betrachter sich denkt „Mhmm, jetzt hätte ich auch gern einen“ und sich dann an einer Tasse mit heißem Kaffee und einer großen Portion Milchschaum erfreut. Für das Foto schiebe ich dann natürlich den Teller mit den Brotkrümeln vom Frühstück zur Seite, rücke die Vase mit frischen Schnittblumen so zurecht, dass sie noch aufs Foto kommt und beiße dekorativ ein Stück vom Croissant ab, weil es einfach schicker aussieht. Eine Vision, drei Handgriffe, ein Instagramfoto. Danke. Was eigentlich gar nicht unbedingt eines Fotos würdig wäre, ist dann doch ein toller Schnappschuss, den ich persönlich gerne mit lustigen Anekdoten aus meinem Mamaleben, simplen Worten zum Alltag oder ernsten Erzählungen abrunde.

Das Gleiche gilt für den Blog. In meiner Familie trinken alle so gut wie immer aus Ball Mason Gläsern, weil diese robuster sind als herkömmlich, dünnwandige Gläser und auch nach dem hundertsten Aufenthalt im Geschirrspüler keine Schlieren bekommen. Max und ich verwenden Papierstrohhalme auch dann, wenn wir keine Fotos knipsen und Schnittblumen sind auch immer zuhause, weil sie mir gut gefallen. Für Blog- und Instagramfotos verwende ich diese Alltagsgegenstände aber eben auch. Ich koche alle möglichen Gerichte, probiere gerne Neues aus und habe ganz generell einen Redaktionsplan für den Blog, in den ich jeden Monat im Voraus eintrage, welcher Beitrag geplant ist und welche Rezepte ich gerne mit euch teilen mag. Ich kaufe die Zutaten dann extra ein, bereite die Speisen zu und lichte sie ab. Wenn mir mal ein Kuchen verbrennt, der Teig in der Form kleben bleibt oder ein Pastagericht nicht schmeckt, dann essen wir es eben auf, behalten diesen Fail aber für uns ;-). Es gibt also eingeplante Speisen für den Blog und Alltagsgerichte, die ich sowieso immer zubereiten wollte und die mich dann in ihrem Geschmack überraschen, sodass ich sie spontan dann doch fotografiere und online stelle. Kooperationen mit Unternehmen werden vorab durchbesprochen und ebenfalls eingeplant, genauso wie Themen rund um unseren Familienalltag oder DIY-Anleitungen. Neben den Texten, um die ich mich immer sehr bemühe und die von meinem Mann Korrektur gelesen werden, spielen natürlich die Fotos eine große Rolle.

Meine Fotos haben sich verändert – auf Instagram als auch auf dem Blog. Vor vier Jahren, als ich im November 2012 den Blog ins Leben gerufen habe, sahen alle meine Fotos katastrophal aus. Heute muss ich ja über die Anfangszeit meines Blogs und meiner Social Media Präsenz schmunzeln, denn mein Mann stöhnte genervt und konnte so gar nicht verstehen, warum ich eigentlich unser Essen fotografierte oder panisch aufschrie, wenn er tatsächlich vor dem Anfertigen eines Fotos zu essen begann. Mit der Zeit entwickelte auch er eine Begeisterung für mein Hobby und heute ist er irgendwie mein Manager, der mir einen gewissen Ansporn und oftmals den nötigen Arschtritt gibt um E-Mails zeitgerecht zu beantworten oder der für mich hinter der Kamera steht und meine Jungs und mich ablichtet.

Mittlerweile ist das Bloggen zum Beruf geworden, den ich mindestens genauso leidenschaftlich (wenn nicht sogar etwas mehr) ausübe, wie zu Beginn. Hinzu kommt irgendwo auch eine Verantwortung gegenüber meinen Lesern, meinen Kunden und mir selbst. Ich möchte meine Arbeit gut machen, ansprechende Texte und Fotos veröffentlichen, die allen voran immer der Wahrheit entsprechen. Glaubwürdigkeit ist mir wichtig und sollte gerade bei Bloggern neben der notwendigen Transparenz unabdingbar sein. Die Produkttests und Kooperationen kamen dann plötzlich im Laufe der Jahre von selbst, waren für mich aber nie eine Hauptmotivation zu bloggen. Wer mir schon seit Anbeginn folgt, der weiß auch, dass ich nicht von heute auf morgen eine große Community hatte, sondern meine Leser nach und nach zu mir gefunden haben. Heute freue ich mich wahnsinnig über die doch recht große Zahl von Blogbesuchern, das tolle Feedback und auch das Mitfiebern von so vielen Followern auf Instagram. Und irgendwie ist es dann passiert, dass mein Blog, als auch die App namens Instagram einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen haben. Darüber freue ich mich.

Wann und wie arbeite ich am Blog?

Ich blogge, wann immer ich Zeit habe und nutze jede freie Pause. Fotos für Instagram oder Beiträge knipse bzw. verfasse ich tagsüber wenn ich die Möglichkeit dazu habe. Texte verfasse ich in der Mittagspause oder wenn beide Kinder schlafen. Dass ich dann oftmals bis 23:00 Uhr oder später vor dem Laptop sitze ist keine Seltenheit, denn schließlich muss ich auch die E-Mails irgendwann beantworten, genauso wie all die Kommentare und Nachrichten in meinem Social Network. Ich mache das wahnsinnig gerne und bin mit viel Spaß an der Arbeit dabei.

Der Austausch mit euch, meinen Lesern, ist mir immer noch am wichtigsten und tut mir selbst sehr gut. Ich schöpfe Mut und Kraft durch andere Blogger und meine Community und freue mich, wenn ich euch durch meine Beiträge etwas zurückgeben kann. Wenn ich anderen Mamas zeige, dass sie nicht alleine sind, diese mit Kolumnen zum Lachen bringe oder Lesern mit einfachen Rezepten den Tag versüße, dann zeigt mir das, dass jegliche Mühe und Arbeit, die ich in den Blog stecke, einen Sinn haben.

Ich habe kein Büro sondern sitze die meiste Zeit am voll bepackten Esstisch oder auf dem Sofa und zwar mit dem Laptop auf dem Schoss. Beim Bloggen wandere ich von A nach B und schleppe dementsprechend allerlei Utensilien mit mir rum. Am wichtigsten sind aber meine Spiegelreflexkamera, mein Laptop sowie mein Smartphone. Mit diesen drei Dingen lässt sich so einiges an- und erstellen. Fotos mache ich entweder selbst oder mit dem Selbstauslöser der Spiegelreflexkamera bzw. dem Stativ. Als Unterlage halten bei wackeligen Gegenständen schon mal Kinderbücher her, damit auch alles auf dem Bild drauf ist, was drauf sein soll.

Weil in unserem Haushalt neutrale Untergründe fehlen, verwende ich für DIY-Anleitungen meistens einen einfarbigen Fotokarton oder Leintücher für Food Pics bzw. diverse Holzbretter. Wenn ich selbst vor der Kamera stehe, dann übernimmt mein Mann den Auslöser und knipst fleißig. Mittlerweile habe ich ihn schon ziemlich gut geschult 😉 und er weiß schon, dass er Fotos nicht von oben herab aufnehmen, sondern immer auf Augenhöhe mit dem Objekt, das im Fokus steht, fotografieren sollte. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich also in den letzten Jahren diesen Blog hier gehegt und gepflegt, fast wie ein Baby. Man könnte sagen, der Blog ist mein drittes Kind, denn er braucht viel Aufmerksamkeit, die ich ihm nur liebend gerne gebe.

Ihr seht: Hier wird weder gezaubert, noch gehext und es gibt auch bei uns Ecken, die nicht zusammengeräumt sind, aber für Fotos einfach ignoriert und nicht abgelichtet werden. Im Hause Sterntal muss nicht immer alles perfekt aussehen, denn das würde ich auch gar nicht wollen. Hier liegt manchmal das Frühstück noch am Nachmittag auf dem Boden (ich sag nur Essecke eines Babys), die Wäsche sowie die verhassten Socken, die ich nie zusammenlegen will, bleiben einfach im Korb. Nur die Spielsachen der Kinder befinden sich mittags und abends wieder an ihrem Ursprungsort.

Hinter den Kulissen sieht es einfach nirgendswo perfekt aus. Fotos werden mit Tricks erstellt und oftmals gut durchdacht und man überlegt sich als Mama-Blogger schon 3x was man denn mit der Community am Blog oder auf Instagram teilt. Das sollte uns aber nie als Vorwurf angekreidet werden, denn wenn man sich selbst fragt, wie man zum Beispiel sein Zuhause einem Fremden präsentieren würde, dann wären sich doch alle einig, dass möglichst alles gut aussehen sollte und man vorher erst mal zusammenräumt. Und so ist das auch bei uns Bloggern, wir zeigen völlig fremden Menschen unsere Welt, die wir nicht kennen und nie kennenlernen werden, weil die Distanz zu groß ist. Wenn wir dann nur schöne Dinge zeigen und mit Bildern und Worten auf eine perfekt unperfekte aber dennoch sehr reale Art und Weise inspirieren wollen, dann ist das doch nichts Schlechtes, oder?

Danke fürs Vorbeischauen, danke fürs Lesen und danke fürs Mitfiebern, ganz gleich ob erst seit Kurzem oder schon seit Anfang an <3.

 

5 Comments

  1. 22. März 2017 / 13:42

    Danke für die Ehrlichkeit! Nicht jede Bloggerin würde solch einen Text schreiben.
    Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Hier läuft mit einem Kind auch nicht immer alles nach Plan und der Blog ruht auch wieder seit ein paar Tagen, da die Zeit gerade fehlt. Und ja, auch hier werden Dinge zur Seite geschoben, damit ich das Bild für Instagram verwenden kann. 😉
    Mach weiter so, liebe Sabrina!
    Liebe Grüße
    Anette

    • Sabrina Sterntal
      23. März 2017 / 21:10

      Vielen Dank liebe Anette, für dein liebes Feedback <3 ich freue mich sehr über deine motivierenden Worte.
      Alles Liebe und wirst sehen, bald läuft der Blog wieder. Zwischendurch gibt es ja immer wieder mal Pausen ;-).

  2. Mar_ti_nanana
    24. März 2017 / 9:27

    🙂 ich hab’s schon ein paarmol bei Insta gesagt: ich mag deine offene und ehrliche Art.
    Ist ja logisch, dass es auch bei Bloggern nicht anders ist, als sonst wo.
    Und eben… man räumt ja vorher auch auf und putzt, wenn Besuch angekündigt ist 🙂
    Have a good FriYay

    • Sabrina Sterntal
      19. April 2017 / 21:00

      vielen Dank, wie lieb von dir <3

  3. 6. Juni 2017 / 16:58

    Hey. Ich hab zwei Jungs und sogar eine Haushaltshilfe. Und bei mir sieht’s trotzdem nicht nach Instagramm aus. Ist auch nicht wichtig. Trotzdem finde ich inszenierte Bilder toll. Weil es auch eine Wertschätzung gegenüber den Lesern ist. Und ehrlich… will ich deinen Wäscheberh sehen, wenn meiner noch in der Easchküche auf’s bügeln wartet? 😉 schöner Blog! Gruß Nicole

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