Blogbeiträge können Werbung enthalten

[KOLUMNE] “Mama sein” – (m)ein Leben mit Baby (1) – Mutterinstinkt und Perfektionismus

Der kleine Mann ist seit gestern 11 Wochen alt. Er bereichert uns als Familie in so vielen Lebenslagen und wir sind überglücklich, so einen wunderbaren Sohn zu haben. Doch als frischgebackene Mama nimmt man (un-)bewusst einige Unannehmlichkeiten auf sich und lernt täglich etwas Neues über sich selbst, das Leben mit Baby, das Leben als Mama, das Leben als Ehefrau und sein eigenes Baby. Ich will euch ab jetzt jeden Sonntag in dieser kleinen Blog-Kolumne ein wenig über meinen
Mama-Alltag erzählen.
 „Mama“  vier Buchstaben – ein Wort, eine Bezeichnung, (m)ein Leben mit Baby.

Die Suche nach dem Mutterinstinkt mit der perfekten Bedienungsanleitung

Das Baby kommt zur Welt und „frau“ ist von jetzt auf gleich „Mama“. Ich hatte fast 40 Wochen lang die Gelegenheit mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie das Leben mit Baby und als frischgebackene Mama sein würde. Ich habe mir die verschiedensten Situationen ausgemalt und mir stets fest vorgenommen, dass ich mich nicht unter Druck setzen werde. Egal was kommen sollte. Gemeinsam mit meinem Mann würde ich das Leben mit Baby schon meistern. Und wenn ich doch mal Hilfe benötigen würde, dann könnte ich ja jederzeit meine eigene Mama um Rat fragen. Oder meine Schwiegermama. An Hilfestellungen sollte es nicht mangeln. Einen besonderen Umstand, den ich dabei aber komplett ignoriert habe, ist dieser, dass ich eine extrem ungeduldige Perfektionistin bin. Ich will einfach immer alles sofort auf mich allein gestellt „richtig“ machen. Hilfe brauch ich nämlich nicht, ich krieg das Ding schon gebacken. Nur ist dieses Ding kein Studium, kein Haushalt, kein Kochrezept, sondern ein Baby. Mein Baby. Falsch: Unser Baby.

Alles noch mal auf Anfang. Das Baby kommt zur Welt. Ich bin Mama. Wikipedia bezeichnet damit „den weiblichen Elternteil eines Kindes, im Allgemein die Frau, die das Kind geboren hat,…“. Also gut, das Kind ist da. Ich hab es zur Welt gebracht. Aber nicht alleine. Mein Mann war eine wichtige und große Stütze und die Hebamme sagte mir, was ich und wie ich es zu tun hatte (juhu, eine „Anleitung“). Mit unserem Baby im Arm war ich berauscht vor Glück, mit mir selbst im Reinen und fühlte mich so unsagbar großartig. Ich war vollkommen zufrieden und bereit dazu, mich positiv gestimmt in mein neues Leben als Mutter zu stürzen. Als ich das Krankenhaus verlassen durfte und zuhause angekommen war, wartete ich darauf, dass mein Mutterinstinkt einsetzen würde. Ich wartete und wartete, doch da kam irgendwie nichts. Da Geduld nicht gerade zu meinen Stärken zählt, passierte es dann doch. Vier Tage nach der Geburt unseres Sohnes warf ich meinen Vorsatz, mich nicht unter Druck zu setzen, über Bord und stürzte mich Hals über Kopf in ein Meer voll Perfektionismus und Selbstzweifel. Mama-über-Bord.

Ich hatte anfangs also große Probleme damit zu wissen, was ich als Mutter wie tun musste, damit es „das Richtige“ für meinen Nachwuchs war. Oder um es anders zu formulieren: Die Perfektionistin in mir war felsenfest davon überzeugt, eine Bedienungsanleitung zu benötigen, um als Mama eine gute Figur zu machen. Quasi eine Anleitung fürs „Mama sein“. Doch die gibt es nicht. Denn jedes Baby ist anders, jede Mama ist anders und jeder dazugehörige Papa ebenso. Doch wollte ich das nicht so recht begreifen. Überall hörte ich, dass ich schon alles richtig machen würde, wenn ich bloß auf meinen Mutterinstinkt hören würde. Aber da war keine Stimme in meinem Kopf, die mir zuflüsterte: “So legst du dein Baby zum Stillen an” und “Wenn es ‘dieses’ Geräusch macht, dann möchte es ‘das’ von dir” und “Dann solltest du unbedingt ‘so’ reagieren.”.

Ich erwartete wie immer viel zu viel von mir selbst und musste erst lernen, dass mir als Frau sehr wohl ein Instinkt mitgegeben wurde, aber ich nicht sagen kann, was das Richtige für mein Baby ist, sondern mein Baby mir das als Reaktion auf meine Handlungen mitteilen muss. Hier ein Beispiel: Mein Instinkt sagte mir, wenn das Baby weint, dann nimm es hoch, versuche es zu trösten. Wiege es in den Armen oder benutze deine Stimme durch Gesang oder tröstende Worte. Wenn das aber nichts half, dann versuchte ich etwas Anderes. So merkten mein Mann und ich rasch, dass unser Sohn nach 6 Tagen die Wiegehaltung nicht mehr bevorzugte, sondern lieber mit dem Bauch über unserer Schulter lag. Durch instinktives ausprobieren lernte ich also, was unserem Baby in verschiedenen Situationen helfen konnte. Das lernte ich aber nicht ganz alleine, sondern auch durch und mit meinem Mann. Demnach ist der Begriff „Mutterinstinkt“ schon mal nicht richtig gewählt, denn dieser schließt die Väter aus. Papas haben doch auch ein tolles Gespür dafür, was der Nachwuchs brauchen könnte und müssen ebenfalls mit dem Baby lernen.

Wenn ich als Mama erstmal den Umstand akzeptiere, dass ich täglich mit meinem Baby Neues dazulerne und keine Bedienungsanleitung benötige um eine gute Mutter zu sein, dann entwickle ich schlussendlich ein individuelles Gefühl dafür, was mein Nachwuchs braucht und schicke die ungeduldige Perfektionistin auf Urlaub. Zumindest für den Sommer.

10 Kommentare

  1. 14. Juli 2014 / 0:51

    Ich mag die Kolumne jetzt schon 🙂 Danke, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

    Liebe Grüße, Sabrina

  2. 14. Juli 2014 / 5:15

    .. du schreibst mir aus der Seele.. sind uns scheinbar sehr ähnlich 🙂 Freue mich ab jetzt auf deine sonntäglichen Kolumnen 😀
    Liebe Grüße
    esther von annosarusrex

  3. 14. Juli 2014 / 6:48

    Mein erster Impuls war jetzt dir zu sagen "Du machst das schon!" – aber das hilft dir da wohl auch nicht weiter. Aber ich glaube, dass es nicht nur dir so geht. Diese Zweifel haben sicher viele und ALLE Eltern müssen bei ihrem ersten Kind mal lernen, wie das alles funktioniert. Also – ihr macht das bestimmt toll!

  4. 14. Juli 2014 / 9:55

    liebe Sabrina,
    vielen Dank für die ehrlichen Einblicke!
    Manchmal muss man schon lange nach den Dingen suchen, die nicht so gerne erzählt werden … oft, weil man damit fürchtet nicht konform zu sein. vielleicht wird auch der begriff mutterinstinkt überschätzt. ich glaube, da geht es eher um das basale überleben, kampf- und fluchtverhalten, biologisch halt. alles andere müssen wir wohl durch lernen und üben herausfinden. schön, wenn du deine erfahrungen mit uns teilen willst!
    ich freue mich auf deine Kolumne!

  5. 14. Juli 2014 / 11:58

    Genial geschrieben… ich bin noch nicht Mama, aber es ist sooooo großartig das zu lesen was du erlebst, wie du denkst oder fühlst. Auch ich mache mir ja schon ab und an über meine Zukunft gedanken. Heute mache ich bei gaaaanz vielem die Erfahrung, dass man sich doch meist aber zu viele Gedanken macht. Freu mich auf mehr.

  6. 14. Juli 2014 / 13:09

    Juhu, das ist eine super Kolumne, du bist mir ja quasi 11 Wochen voraus 😉 Ich kann das mit dem Perfektionismus und alles alleine machen gut nachvollziehen, ich versuche jetzt schon mich selbst zu briefen Hilfe anzunehmen wenn der Kleine dann mal da ist (kann sich nur noch um Stunden/Tage handeln, heute wäre EGT ;-)) lg Ulli PS: Und ich bin gespannt, ob ich mit Kind dann auch so fleißig bloggen werde wie du, Respekt!!

  7. 14. Juli 2014 / 13:56

    Ich habe das selbe das erste mal von meiner Freundin gehört als sie Mutter wurde. Sie war manchmal recht verzweifelt und sagte oft: "Ach, wenn er bloss reden könnte und mir sagen was er will". Deine Kolumne bestätigt das nochmal, dass man sich einfach gegenseitig kennen lernen muss und nix von anfang an einfach "da ist".

    Ich hoffe ich werde dann mit unserm Sohn nicht verzweifelt sein wenn ich nicht gleich weiss was er nun braucht. Hoffentlich habe ich so viel Geduld wie du 🙂

  8. 14. Juli 2014 / 15:11

    Ich freu mich jetzt schon die Kolumne zu lesen 🙂 Ich bin zwar erst 20 und kann mir noch lange nicht vorstellen jetzt Kinder zu bekommen (ich finde dein Alter perfekt dafür!) aber ich liebe es mir die Bilder von euch zusammen zu dritt oder allgemein von eurem Sohn anzusehen! Und die Kolumne ist eine richtig gute Idee 🙂 Ich hab versucht es auf mich zu übertragen..seit dem ich 16 bin Babysitte ich nämlich und das auch auch schon mal bei einem 3 Wochen alten Kind..aber das kann man natürlich überhaupt nicht vergleichen. Ich kann mir einfach vorstellen, dass es was komplett anderes ist und so muss es ja auch sein, wenn es das eigene Kind ist 🙂 Ich freu mich auf jeden Fall für euch, dass es euch gut geht und dass ihr glücklich seid! Außerdem sehe ich das wie du! Der Mann oder besser gesagt Papa wird bei sowas immer "ausgeschlossen" – also bei Wörtern wie "Mutterinstinkt" vielleicht trifft es "Elterninstinkt" besser oder was auch immer 🙂

    Ganz liebe Grüße!

  9. 16. Juli 2014 / 14:15

    Diese Kolumne ist eine sehr schöne Idee, ich freue mich da jetzt schon auf alles was noch kommen wird 😉 Das besonders trickreiche ist ja, dass sich die Kleinen auch ständig weiter entwickeln. Das was gestern noch geholfen hat, kann heute schon komplett falsch sein, das was heute klappt kann sich morgen dann bereits wieder in eine Katastrophe verwandeln. Da hilft es wirklich nur seinem Instinkt und dem Kleinen zu vertrauen. Und den Papa zur Seite zu haben, der hat dann meist die rettende Idee und auch noch genügend Energie hat diese umzusetzen 😉

  10. 4. August 2014 / 8:29

    Das hast du wundervoll geschrieben. Ich bin genauso und hätte gerne auch das gleichzeitig mit dem Baby, eine Bedienungsanleitung raus kommt 😀 (jetzt würde der Mann wieder sagen, die lese ich ja eh nicht).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

Alle mit einem * gekennzeichneten Kooperationspartner sind Teil einer Zusammenarbeit. Von mir beworbene Produkte wurden mir in solchen Fällen als PR-Sample oder kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Beiträge die als Werbung/Anzeige gekennzeichnet sind wurden bezahlt. Affiliate-Links, also Produkte, die ich weiterempfehle und die durch einen Klick auf den Link gekauft wurden, wodurch ich eine Provision erhalte, sind als solche gekennzeichnet.