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KOLUMNE | „Mama sein“ – (m) ein Leben mit zwei Kindern (21) Geschwisterstreit: Mama mit Teilzeitjob als Schiedsrichterin

Samstag, halb 8 Uhr am Morgen, irgendwo in Österreich. Gerade noch lagen wir allesamt in unseren Betten, schon geht hier im Haus die Post ab. Während ich in der Küche stehe und völlig schlaftrunken der Kaffeemaschine dabei zuhöre, wie sie die Kaffeebohnen frisch mahlt, nur um dann endlich das schwarze Gold in meine liebste orange Fuchstasse zu lassen, wird dieses eigentlich doch sehr laute Geräusch von einem schrillen Kreischen, einem lauten Weinen, einem erbosten Rufen und noch mehr Geheule unterbrochen. „Alexander nein, lass das, geh weg!“ Noch mehr Geweine vom kleinen Bruder. Erbostes Schnauben vom großen. Ich schüttle leicht den Kopf und freue mich insgeheim doch ein bisschen, dass ich in der Küche stehe (oder mich dort verstecke) und meine Schiedsrichterpflichten gerade nicht eingefordert werden. Doch halt. Bevor ich das Kaffeeheferl an meine Lippen führen kann, kommt ein erneuter Aufschrei mit einem suchenden “Mama” als Anhang. Nun rolle ich dann schon etwas genervt die Augen. Dieses Mal hat der große Bruder dem kleinen Unrecht getan, war etwas zu grob und hat ihn umgestoßen „‘Tschuldigung Alex, war keine Absicht.“ Wer’s glaubt. Noch bevor wir das Frühstück einnehmen können, wird hier zwei weitere Male gezankt. Der Mini hat das Lieblingsspielzeug vom Großen in der Hand, der wiederum findet das nicht lustig, entreißt es dem Kleinen, woraufhin dieser sich mit dem mächtigsten Werkzeug wehrt, das ihm mit 18 Monaten zur Verfügung steht: Seiner Stimme.

Mittlerweile ist es Samstag, 9:00 Uhr. Meine beiden Söhne haben es geschafft, sich noch drei weitere Male in die Haare zu kriegen ehe doch kurzfristig Frieden herrscht, weil sie sich wie zwei Verrückte im Spiel „Babyrennen“ ein paar Runden um den Esstisch jagen. Der kleine Bruder läuft vor dem größeren davon und beide lachen lauthals. Da ist er, der Moment, in dem mir das Herz aufgeht und ich mich richtig freue, denn endlich machen die beiden mal etwas miteinander, anstatt ständig nur zu streiten. Doch der Schein trügt, denn nach vier Runden wird das Spiel auch schon wieder langweilig und der nächste Knatsch steht an.

“One child makes you a parent – two makes you a referee”

Ich bin frustriert und habe es ehrlich gesagt schon ein bisschen satt, dass ich seit Wochen ständig nur Schiedsrichter spielen darf. Wann kommt eigentlich diese Zeit, in der sich Geschwisterkinder innig und heiß lieben und miteinander spielen, weil man sie extra im kurzen Altersabstand bekommen hat, damit sie mehr voneinander haben? Das frage ich mich an manchen Tagen mehr als nur einmal. Ich bin selbst Einzelkind und war damit mein Leben lang glücklich. Ich weiß daher nicht, wie das ist, wenn man sich ständig in die Haare kriegt und über dieses oder jenes Spielzeug streitet oder einen Konkurrenzkampf führt. Mir ist auch vollkommen klar, dass sich Brüder oder Schwestern nicht ständig verstehen und dass es eben manchmal Differenzen geben kann. Das formt den Charakter, Konflikte sind notwendig und die beiden werden noch viel Spaß und Freude miteinander haben und viel voneinander lernen. Oder?

Ganz ehrlich, so hab‘ ich mir das vor gut zwei Jahren nicht vorgestellt, denn mit dem Gedanken, dass meine Kinder mehr voneinander haben, wenn sie nur ein kurzer Altersabstand trennt, gingen wir in die Planung für Baby No. 2. Im Alter von 26 Monaten wurde Max dann großer Bruder. Die Begeisterung war anfangs kurz da, ebbte dann in relativ entspannte Akzeptanz ab, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der kleine Alexander mobil wurde. Und damit war Maximilians Spielzeug nicht mehr sicher vor ihm und ich wurde als Mama unfreiwillig zum Streitschlichter auserkoren.

Wenn Maximilian einen Turm bauen möchte, will Alex ihm das gleichtun und ebenso einen Turm bauen, schmeißt dabei aber das prächtige Bauwerk um, woraufhin der andere ganz schnell sehr zornig wird. Ich kann das ja irgendwo auch verstehen, denn so ist es meinem Mann und mir ja auch gegangen, als Max noch sehr klein war. Er wollte, dass wir ihm einen Turm bauen, nur damit er diesen fünf Sekunden später umwerfen konnte. Da kann man sich schon mal ärgern, aber der Klügere gibt ja bekanntlich nach – das denken wir Eltern, aber kein Kind denkt so rational…

Trotzdem…Alexander himmelt seinen großen Bruder an. Das sehe ich vor allem dann, wenn er sich freut, dass wir Maximilian wieder vom Kindergarten abholen oder wenn er ganz stolz sagt „Mak, Mak – Bruda“ und auf meinen Erstgeborenen deutet. Ich weiß insgeheim auch, dass Maximilian seinen Bruder sehr gerne hat, aber er kann halt – plump gesagt – noch nicht so viel mit ihm anfangen bzw. ist ihm der kleine Zwerg manchmal ein Dorn im Auge.

Streit schlichten zermürbt aber auf Dauer und macht mir irgendwann keinen Spaß mehr. Deshalb versuche ich hier immer die Brücke zu schlagen und mal dem einen, dann dem anderen den Vorzug zu geben. Wenn der Kleine als erstes das Spielzeug hatte, dann sollte der Große ihm dieses auch nicht einfach aus der Hand reißen, nur weil er just darauf aufmerksam geworden ist, dass es dieses Ding ja noch gibt und er plötzlich den Drang verspürt, es auch haben zu müssen. Umgekehrt gilt dasselbe für den Kleinen, denn wenn der Große gerade darin vertieft ist, eine Strecke für seinen Holzzug zu bauen, dann muss der Kleine auch mal warten lernen oder sich mit etwas Anderem beschäftigen, damit er es dem großen Bruder nicht kaputt machen kann. Klingt logisch, doch in der Praxis artete es immer wieder in Streit aus und auch darin, dass ich als Mama die Geduld verliere.

Schiedsrichter zu sein ist wirklich ein undankbarer Job, jedenfalls für Eltern und so wiege ich immer öfters ab, lasse die beiden kleine Streitigkeiten einfach alleine austragen und mische mich nur dann ein, wenn ich darum gefragt werde, es selbst sehe oder mein Handeln/Einschreiten ganz einfach gefordert ist.

Geschwisterliebe vs. Streit

Manchmal frage ich mich ja – wenn ich so auf anderen Blogs vorbeischaue oder bei so manchem Instagram-Account – ob bei anderen Familien wirklich so viel Harmonie herrscht, wie überall gezeigt wird. Dann bekomme ich auch ein schlechtes Gewissen und mache mir Sorgen, ob ich etwas falsch gemacht habe. Habe ich meinen Kindern vielleicht nicht vermittelt, wie sie miteinander umgehen sollen? Ist Maximilian nicht fürsorglich genug? Mag er seinen Bruder nicht? War die Sache mit den Geschwisterkindern doch keine so gute Idee? Zur kindlichen Entwicklung gehört es nun mal, sich Konflikten auszusetzen und man sollte lernen, diese zu lösen. So passiert das im Kindergarten und eben auch zu Hause. Hinzukommt, dass mein großer Sohn es gewohnt war, dass er sich gut drei Jahre alleine mit seinen Spielsachen beschäftigen konnte. Das hat er zwar nur selten getan, weil Max immer mehr mit uns gespielt hat, aber nun, da er im Kindergarten entdeckt hat, dass er auch alleine Türme bauen kann, Bilder malt, Puzzles baut usw., da will er das auch zu Hause machen, kann es aber nicht, weil sein kleiner Bruder im dazwischenfunkt.

Und so motiviere ich mich als Mama selbst immer wieder und rede mir gut zu. Geschwister sind nun mal Geschwister und wenn ich daran denke, wie die beiden in den letzten anderthalb Jahren trotz allem zueinander gefunden haben, wie sie miteinander lachen können – auch wenn sie die meiste Zeit streiten – wird mir warm ums Herz. Ich glaube ganz fest daran, dass es besser wird. Geschwisterstreit gibt es immer wieder und oh weh – irgendwann kommen auch noch Raufereien hinzu, aber auch das werden wir hinkriegen. Denn eines darf man nicht vergessen: Maximilian und Alexander sind zwar Brüder, aber jeder hat seinen eigenen Charakter und seinen eigenen Kopf, der sich erst noch entwickeln muss und das tun sie trotz allem gemeinsam, in einem Haus und unter einem wohlbehüteten Dach, in dem zwei Elternteile sich liebevoll um beide kümmern, egal was kommt und ganz gleich was passiert.

Und solange sie nicht mit Tellern schmeißen oder sich gegenseitig die Schädel einschlagen, mache ich meinen Job als Mama und Schiedsrichterin auch ganz gut – genauso wie ihr anderen Mütter da draußen, für die ich diese Zeilen schreibe. Lasst euch nicht von Fotos oder Bildern beeinflussen, im Endeffekt herrscht überall der gleiche Wahnsinn und nur weil sich Geschwisterkinder in diesem Alter nicht verstehen, heißt das noch lange nicht, dass es ein Leben lang so sein muss. Manchmal braucht es etwas, bis man zueinander findet und das muss man den Kindern überlassen.

Kommt euch das bekannt vor? Wie handhabt ihr diese Streitereien oder habt ihr Tipps und Tricks für mich in meinem Teilzeitjob als Schiedsrichterin?

Alles Liebe,

 

 

 

 

 

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