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KOLUMNE | „Mama sein“ – (m) ein Leben mit zwei Kindern (20): Oh du fröhliche – unser Weihnachtsfest und meine nicht vorhandene Erwartungshaltung

Oh du fröhliche, oh du selige – NICHT, das kann ich euch jetzt schon mal versichern, denn wenn mein Mann und ich eines aus dem letztjährigen Weihnachtsfest gelernt haben, dann ist das einfach mal überhaupt keine Erwartungen zu haben. Während wir vor unserem Christbaum strahlende und dankbare Kinderaugen erwarteten, endete unser erstes Weihnachtsfest zu viert beinahe in einem großen Familienstreit mit ganz viel Frustration bei Herr Sterntal und energischem “Noch-mehr-Wein-ins-Glas-nachschenken” meinerseits. Aber beginnen wir doch einfach einmal von vorne…

Wir schreiben den 24. Dezember 2016. Unser großer Sohn Maximilian war zu dieser Zeit 2 1/2 Jahre alt und sein kleiner Bruder Alexander fünf Monate jung. Wir starteten den Tag mit einem Frühstück bei meinen Eltern, gefolgt von einem Adventmarktbesuch in der Stadt. Dieser hat bereits Tradition, da sich mein Mann vorm Heiligen Abend immer mit seiner Oma auf einen Glühwein trifft und irgendwie hat es sich ergeben, dass auch meine Eltern immer dazu stoßen, weshalb wir das letztes Jahr einfach mal verbunden haben und alle gemeinsam in die Stadt spazierten. Da standen wir also, umringt von vielen anderen Familien, dem Getöse von Trompeten des Weihnachtsorchesters, einem heißen Glühwein in der Hand und mit ordentlich Vorfreude auf Heiligabend.

Weil unser Christkindlmarkt auch zwei Attraktionen für Kinder bietet, nämlich ein Karussell sowie eine kleine Eisenbahn, dachten wir uns, machen wir Max doch eine kleine Freude und lassen ihn mit diesen Fahrgestellen eine Runde drehen. Gönnerhaft wie mein Mann war, kaufte er gleich mal 10 Chips, die er sich fünf Minuten später auch wieder schenken konnte, denn warum auch immer, unser Erstgeborener wollte partout keine Runde auf dem Karussell fahren und auch nicht in die Eisenbahn steigen, was er uns auch sogleich mit lautstarkem Gebrüll, Krokodilstränen und einem trotzenden Blick klarmachte. Wohlgemerkt: Eine Woche vorher hätte er sich so aufgeführt, wenn wir ihn nicht hätten fahren lassen. Ein kleiner Nervenzusammenbruch unseres Halbwüchsigen endete dann darin, dass wir genervt schnaubten, auf die Uhr blickten und uns halt einfach schon mal früher auf den Weg zu den Schwiegereltern machten. Nur nicht aufregen, lautete unsere Devise, die wir tatsächlich erfolgreich bis zum späten Nachmittag aufrecht halten konnten.

Nach dem alljährlichen Fischessen bei den Schwiegereltern, fuhren mein Mann und ich ohne Kinder nach Hause, schließlich musste das Christkind noch den Baum aufstellen und diesen schmücken. Dazu blieben mir, also ja – ich hoffe ich enttäusche jetzt niemanden, aber das Christkind im Hause Sterntal ist eben die Mama – noch genau vier Stunden Zeit. Schwungvoll stellte ich also mithilfe meines Mannes die große Tanne in den Christbaumständer, schenkte mir das erst Glas Weißwein ein und schupfte in Rekordtempo Christbaumkugeln, Kerzen und Co. auf den Baum. Zwei Stunden bevor unsere Kinder nach Hause kamen, bereiteten wir noch das Abendessen zu. Dass ich inzwischen bereits zwei Mal hätte duschen gehen können, weil mir sprichwörtlich der Dreck runter lief, was bei all dem Hin- und Hergehetze auch kein Wunder war, erwähne ich an dieser Stelle nur mal so nebenbei ;-). Die Geschenke stellten wir allesamt unter den Christbaum und ehe wir uns versahen, läutete es an der Tür. Wir drehten das Licht ab, schaltete nur die Kerzen auf dem Christbaum ein (elektrisch, schließlich wollen wir keinen brennenden Weihnachtsbaum wie in Single Bells) und öffneten die Tür.

Was wir uns erwarteten? Einen jauchzenden kleinen Max, der den Christbaum bewunderte und sich über diesen schönen Baum freute und dann vor allem eines: Einen harmonischen heiligen Abend. Die erste Wunschvorstellung trat sogar ein und dauerte zwei Minuten lang, ehe für Max nur noch die Geschenke zählte. Tja, wir hatten schon damit gerechnet, dass Max sich nicht so sehr fürs Abendessen interessierte, also durfte er das erste Geschenk für sich aufmachen und auch das für seinen kleinen Bruder. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Mein Mann und ich waren uns sicher, Max würde sich riesig über den roten Laster aus Cars freuen, den er sich so sehr gewünscht hatte und so blickten mein und ich uns selig an, lächelten und sahen wieder zu Max. Der hatte allerdings eine leicht säuerliche Miene aufgesetzt, zuckte die Schulter, warf den Laster neben sich und motzte “Aber ich wollt’ nicht den roten. Ich will den schwarzen Mac.”

Und da begann mein linkes Auge ganz fürchterlich zu zucken, während mein Mann energisch die Zähne zusammenpresste und naja, ich sag mal, ein bisserl angepisst war. Konnte das denn sein? Da war der kleine Lausbub ernsthaft nicht zufrieden mit seinem Geschenk und will sich auch noch wegen der Farbe beschweren? Ich sag’s euch, ich war in meinem Leben noch nie so froh darüber, zwei Wochen vorher abgestillt zu haben, denn das bedeutete mehr Wein für Mutti. Ganz viel sogar!

Von da an war der Wurm drinnen. Maximilian raunzte in einer Tour, dass er einen anderen Laster wollte, während mein Mann alles gab um ihm das Geschenk schmackhaft zu machen. Wir versuchten dann die Situation mit unserem leckeren Abendessen zu retten, aber der kleine Wicht wollte nichts essen. “Dann hat er eben keinen Hunger”, schnaubte mein Mann, der normalerweise die Engelsgeduld schlechthin hat. Ich bin in unserer Familie nämlich eher die Person, die schnell die Nerven verliert, aber an diesem Tag war es anders. Mein Mann hatte sich nämlich so sehr auf ein besinnliches Weihnachtsfest gefreut…so wie er es selbst aus seiner Kindheit kannte. Dass dies aber mit einem 2 1/2-jährigen Kleinkind einfach noch nicht so klappen konnte, wie mit weitaus älteren Kindern, ging uns beiden an diesem Abend nicht ein. Zu groß war die Erwartung, zu groß auch die Enttäuschung. Die Situation spitzte sich zu, als Maximilian auch das darauffolgende Geschenk nicht ansatzweise zu schätzen wusste. Im Nachhinein ist uns beiden klar, dass auch er diesen Erwartungsdruck spürte und von diesem aufregenden Tag einfach komplett überfordert war. Wir steckten die Kinder frühzeitig ins Bett und – zugegeben – ärgerten uns noch den halben Abend. Mein Mann war so grantig, dass er sogar bei den Großeltern anrief und diese darum bat, die Geschenke für die Bescherung an den darauffolgenden Tagen zu reduzieren. Das endete beinahe in einem Streit, denn diese sahen gar nicht ein, wieso sie die Enkerl bestrafen sollten, wenn sie ja nichts Falsches gemacht hatten. Die Situation konnten wir dann dennoch retten, wir sprachen uns alle aus und am 25. Dezember war Maximilian schon um einiges entspannter, sehr dankbar und auch mein Mann und ich hatten uns überraschenderweise beruhigt. Im Großen und Ganzen feierten wir ein wunderbares Weihnachtsfest an den darauffolgenden Tagen mit unseren Familien…

Oh ja, Weihnachten ist wirklich ein wahnsinnig schönes Fest und ich bin mir sicher, wir werden sie noch feiern, diese Zeit, wo alles glatt läuft, die Kinder glücklich sind und auch die Eltern. Aber ich denke, das wird noch etwas dauern. Bis dahin haben mein Mann und ich aber eines gelernt: Wir gehen ohne großes Tamtam an diesen Tag heran, ärgern uns nicht, wenn ein Kind einen schlechten Tag hat, machen uns auch keine Gedanken darüber, ob die Kinder nun mit uns mitessen oder nicht, denn mal ehrlich: Ich habe als Kind an Heiligabend vor Aufregung auch keinen Bissen hinunter bekommen…

Warum ich euch das hier alles erzählt habe? Ganz einfach, damit ihr wisst, dass ihr nicht alleine seid und ein besinnliches Weihnachtsfest vielleicht auch gar nicht so besinnlich ablaufen kann wie es uns Fernsehen, Bücher und Co. weiß machen möchten. Wichtig ist aber nur, dass man Zeit mit der Familie und seinen Lieben verbringt, dankbar ist, dass man gesund ist und ein Dach über dem Kopf hat.

Wie war das denn bei euch? Hattet ihr auch schon einmal ein enttäuschendes Weihnachtsfest oder lief es bisher immer ab wie im Bilderbuch?

Alles Liebe und schon jetzt fröhliche Weihnachten, ohne zu viel Stress und mit ganz viel Gelassenheit

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6 Kommentare

  1. 12. Dezember 2017 / 6:37

    Ich liebe deinen Schreibstil einfach! Ich freu mich auch jedes Jahr so auf Weihnachten und irgendwie ist es dann auch ok aber eben, mit Kindern nicht immer so perfekt wie im Film. Und Schnee gibt es ja eh meistens nicht. Ich häng viel zu viel an den Wunschvorstellungen 😀

    • Sabrina Sterntal
      Autor
      12. Dezember 2017 / 9:31

      Oh danke liebe Miriam :-). Ja ich kenne das, man wünscht sich halt doch das perfekte Weihnachtsfest und Schnee wäre super schön, auch eine friedliche und besinnliche Stimmung…aber gerade mit Kindern ist es dann doch so, dass man deren Launen eben nicht beeinflussen kann und es gab auch schon Weihnachten, wo ich selbst zickig war. Muss ich jetzt hier auch mal eingestehen, haha. Ich wünsche dir ein tolles Fest <3.

  2. Martina
    13. Dezember 2017 / 7:43

    hahaha hach was musste ich gerade lachen. Habe ja bereits auf Insta den “Hinweis” auf deinen Blogeintrag gesehen und kam endlich dazu ihn zu lesen.
    So gut… ich glaube ich schraube meine Erwartungen mal ganz schnell runter 😉

    Habt eine schöne Adventszeit!

  3. 14. Dezember 2017 / 0:32

    Oje, unsere ist gerade 2,5, aber sie ist aber noch so niedlich unbedarft, dass sie noch nicht einmal richtig Wünsche geäußert hat. Trotzdem stell mir aber sicherheitshalber genug Wein bereit – danke für die Anregung ;-). Ich muss ja zugeben, dass ich (jeder Vernunft zum Trotz) doch auf große Augen hoffe, wenn Mäuschen die Geschenke auspackt, die wir für sie ausgesucht haben!

  4. Michaela
    16. Dezember 2017 / 10:00

    “…mehr Wein für Mutti” 😂😂…….Ich fahr dann sicherheitshalber gleich mal einen Großeinkauf tätigen ;-)) unser erstes Weihnachten letztes Jahr mit damals 8 Monatszwerg war sehr schön, heuer bin ich schon gespannt und schraube aber meine Erwartungen vl doch mal lieber ein bisserl runter 😂

  5. Ester
    17. Dezember 2017 / 20:27

    Ich mag dich.. so natürlich.. so normal 🙂

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