KOLUMNE | „Mama sein“ – (m) ein Leben mit zwei Kindern (19): Dein Momlife-Song? Wenn dein Mamaleben eine Playlist wäre

Es gibt sie, die Tage, da läuft alles wie geschmiert. Sie sind zwar eher selten, aber am Wochenende hatten wir beispielsweise einen Sonntag, der war so harmonisch, dass es schon beinahe kitschig war. Okay, ein paar erboste Rufe vom großen an den kleinen Bruder, weil die mühsam aufgebauten Holzschienen durchs Wohnzimmer gepfeffert wurden oder eine leicht gestresste Mama, die schon um halb 9 in der Früh am Waffeleisen stand, lassen wir mal außen vor, denn abseits des ganz normalen Mamawahnsinns war der Sonntag wirklich perfekt. Kein Gezicke, kein Geschrei, kein Streit…mein Mann und ich tauschten an diesem Tag tatsächlich mehrmals erstaunte aber sehr zufriedene Blicke aus. Einen Tag später war die Harmonie dann auch schon wieder vorbei und zack – als würde man im Fernsehen von einer romantischen Rosamunde Pilcher-Verfilmung zu 12-Monkeys zappen – ging es bereits um 6:30 Uhr am Morgen zu wie im Irrenhaus.

Da hilft nur eins: Einem Mantra gleich Gloria Gaynor’s Hymne „I Will Survive“ trällern. Entweder laut oder im Kopf, ganz gleich. Hauptsache man behält irgendwie den Verstand und holt sich ganz rasch eine große Tasse Kaffee. Ich erinnere mich an meine Vorsätze, behalte einen kühlen Kopf, gehe meine Tagespläne durch und werde meine Jungs davon überzeugen, dass sie nach meiner Pfeife tanzen. Oh ja, ich zeige ihnen, wer hier der Mom-Boss ist…

Welche weiteren Songs mich durch einen typischen Tag als Mama begleiten, verrate ich euch heute in diesem – zugegeben etwas überspitzen – Beitrag. Viel Spaß beim Lesen und Mithören. Die Spotify-Playlist dazu gibt es nämlich hier.

Das Chaos am Morgen

Irgendwie schaffe ich es, mich im Badezimmer schnell zurechtzumachen. Angezogen habe ich mich inzwischen zum Glück schon. Eine blickdichte Strumpfhose sowie ein legeres Kleid gehen einfach immer und sind gerade im Herbst der perfekte Alltagslook. Meine Haare sprühe ich mit ca. einem Kilogramm Trockenshampoo ein, binde sie zu einem schnellen Mumbun, schmiere mir ausreichend Concealer auf meine Augenringe und laufe auch schon in die Zimmer der Jungs. Der eine will nicht in den Kindergarten und startet eine Diskussion während der andere mir aus voller Inbrunst entgegen schreit, dass er „Kaffeee, Kaffeee“ machen will. Also schnappe ich mir – innerlich fluchend – Socken, Strumpfhosen, Shirts, Hosen und den ganzen anderen Schnicksack der Kinder und laufe mit ihnen die Treppen ins Erdgeschoss, widerstehe dabei nur knapp dem Drang mir in den Schritt zu fassen und im Moonwalk alà Michale Jackson zu dem Song „Beat it“ in die Küche zu tänzeln: „Just beat it, beat it, beat it, beat it…No one wants do be defeated. Showin‘ how funky and strong is your momfight? Lalalala…“.

Die nächsten 20 Minuten vergehen wie im Flug und ich weiß manchmal gar nicht so recht, wie ich es eigentlich schaffe, in Windeseile Maximilians Jausenbox zu richten und das Frühstück der Burschen auf den Tisch zu stellen. Kurz vor 8 verlassen wir das Haus und machen uns auf den Weg in den Kindergarten. Inzwischen knurrt mein Magen, denn ich hatte kaum Zeit bei dem ganzen Chaos an mich selbst zu denken. Macht nichts, Schokolade zum Frühstück ist, wenn ich mit dem kleinen Bruder erst wieder zu Hause angekommen bin, ja schließlich auch noch eine Lösung. Danke, Bridget Jones!

Zwischen Solidarität und Ärgernis

Nachdem ich meinen Erstgeborenen im Kindergarten abgesetzt habe, hole ich mir unterwegs einen Kaffee und mampfe gehetzt ein Schokocroissant, denn nun steht erst einmal der Lebensmitteleinkauf an. Ach und Windeln brauchen wir auch noch. Und einen Haufen anderer Sachen. Also wälze ich mich mit einem Kleinkind, das weder im Einkaufswagen sitzen möchte, noch an der Hand gehen, sondern viel lieber im Kaufhaus randalieren will, durch sämtliche Regale und arbeite meine Einkaufsliste ab. Zwischendurch sehe ich eine Mama in ähnlicher Situation und fast schon automatisch werfen wir uns solidarische Blicke zu. Aber da sind auch ein paar andere Leute, die dir leider in die Quere kommen und so gar nicht verstehen können, dass Mamas am Vormittag mit ihren kleinen Kindern Lebensmittel für das Mittagessen einkaufen. Meist sind das kinderlose Leute, die einfach nur einen Tag Urlaub haben und entnervt die Augen rollen, wenn an der Kasse mal eben ein Kind auszuckt und lauthals brüllt oder sich im Einkaufscenter auf den Boden schmeißt. Am liebsten sind mir aber jene Leute, die mir einfach so die Tür zu einem Geschäft vor der Nase zuknallen oder eben nicht aufhalten, obwohl ich mich mit dem Kinderwagen abwurschtle. Ähm, wie sagte Lilly Allen so schön? „F$ck you, f%ck you very very much…“ und im Gedanken trällere ich mit lieblicher Stimme ihren Song, während ich mit Blicken am liebsten töten würde. Aber andererseits…sich zu ärgern bringt nur falten, also schalte ich am Nachhausweg einen Song von Florence and the Machine ein, bei dem ich richtig laut mitgrölen kann und mich danach um einiges besser fühle: „Shake it out“

Just a mom and her will to survive…

Okay, der Shopping-Trip ist erledigt, das Mittagessen trotz Kleinkind, das ständig an den Herd will und keine Sekunde alleine beschäftigt werden kann, gekocht, der große Bruder vom Kindergarten abgeholt und wir sitzen tatsächlich alle gemeinsam am Tisch, essend. Geschafft! Ganz gleich wie oft wir Mamas uns diesen Kampf stellen, wir werden es schaffen. Wir stellen uns dem Ganzen egal wie oft wir hinfallen, wir werden überleben. Ich starre auf die Uhr und muss lachen. In einer halben Stunde ist Schlafenszeit und schon höre ich sie, die ersten Akkorde einer allzu bekannten Hymne und ändere den Text „Rising up, back on my feet. Did my time, took my chances, got my kids fed, now I’m back on my track. Just a mom and her will to survive…“ (Eye of the Tiger).

Und endlich schlafen beide Kinder. Jetzt heißt es aber leise sein. Egal ob das Baby auf einem oder neben einem liegt oder die Kinder in ihren Betten im eigenen Zimmer schlafen: Nur nichts umschmeißen, die Kaffeemaschine einschalten oder den Postboten läuten lassen. Niemand stört diesen wunderbaren Moment absoluter Stille. Aber vielleicht kann ich trotzdem ganz leise einen Song hören, zum runterkommen, der passender nicht sein könnte: „Dare You to Move“.

Help

Die Kinder sind wieder wach, das Nachmittagsprogramm steht auf dem Plan. Ich versuche, die Zeit bis zum Abendessen mit Spaziergängen, kleinen Malprojekten, Basteleien, Buchlesen oder anderen Aktivitäten im Haus zu überbrücken. Kurzfristig herrscht hier Ruhe. Die Kinder spielen und ich hole mir tatsächlich noch einen Kaffee, checke meine Mails, schreibe meine To-Do-Liste für den Abend und überlege was ich kochen soll. Dann höre ich es plötzlich: Einen Schrei. Die beiden Zwerge streiten mal wieder über irgendeine Lappalie, zB weil der Eine dem Anderen das Spielzeug wegnimmt. Ich weiß nicht, ob ich davonlaufen oder den Streit schlichten soll. Die Haustür sieht einfach so verlockend aus. Vielleicht nur mal kurz raus und frische Luft schnappen? Alleine…? Oh no, „HELP“, I need somebody!

Natürlich entscheide ich mich fürs Bleiben, davonlaufen ist schließlich auch keine langfristige Lösung. Während der große Bruder sich mit Worten ausdrücken kann, setzt der kleine seine Finger als Waffe ein und zwickt mal eben zu. Tränen fließen…auf beiden Seiten. Einmal tief durchatmen, Streit schlichten und solidarisch mit Destiny’s Child mitsummen: „I’m a survivor, I’m gonna make it, I will surive, Keep on survivin‘!“

#allthemomfeels

Den restlichen Abend beiße ich die Zähne zusammen und behalte irgendwie einen kühlen Kopf, aktiviere dabei sämtliche Mamareserven. Meine Kinder und ich…wir lachen, schauen fern, essen eine Kleinigkeit zu Abend, duschen gemeinsam oder es wartet eine volle Badewanne. Zwischendurch kann es nochmal zu einer kleinen Diskussion kommen aber grundsätzlich läuft der Abend wie geschmiert. Zähneputzen, Pyjama anziehen, Gute-Nacht-Bussi und einmal fest drücken. Ich schaue meine beiden Kinder an und schlagartig wird mir bewusst, was für ein Glück ich habe. Ich bin dankbar für einen Tag mit zwei gesunden wilden kleinen Kerlen und während ich Alexander auf meinem Arm halte und im abgedunkelten Kinderzimmer mit ihm tanze, sein Köpfchen auf meiner Schulter und seinen flachen Altem an meinem Hals spüre…singe ich mit geschlossenen Augen das Lied, das ich damals auch schon Maximilian vorgesungen habe „You are my sunshine, my only sunshine. You make me happy when skies are gray, You’ll never know dear, how much I love you…“

Feierabend

Geschafft! Die Kinder sind im Bett. Während der Mini schon schläft ist mein Mann noch bei Maxi und erzählt ihm Gute-Nacht-Geschichten. Ich schleiche auf Zehenspitzen ins Wohnzimmer, räume Spielsachen weg, erledige den Abwasch, schalte den Fernseher ein und lege die Füße hoch. Nur ich und ein Glas Wein. Oh yeah „Raise your Glass“ – P!nk und dazu klopfe ich mir selbst auf die Schulter, denn der Tag als Mama war gar nicht mal so schlecht. Ich atme tief durch, nehme all die guten und schlechten Dinge an, die dieser Tag gebracht hat und freue mich auf einen neuen Tag voll spannender Herausforderungen.

Irgendwie werden wir das Ding schon schaukeln, oder?

Momlife – Playlist

Und was wäre euer perfekter Momlife-Song? Ich bin gespannt :-D.

 

 

 

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